Kristin Theis im Interview mit der Frankfurter Tageszeitung FAZ zum Thema Diversity und Chancengleichheit und Ihre Erfahrungen aus ihrem internationalen Berufsleben.
Der Austausch in internationalen Netzwerken kann Frauen dabei helfen, ihre Karriere voranzubringen, sich gegenseitig zu stärken und sich grundsätzlich mehr Einfluss in der globalen Wirtschaft zu verschaffen.
Karriere ist überall eine Herausforderung“, sagt Kristin Theis. Sie ist eine von einem Dutzend Businessfrauen, die auf Spitzenfrauen-bw.de von ihren Erfahrungen während ihrer internationalen Berufslaufbahn berichten. Mit ihren Geschichten möchten sie anderen Frauen Mut machen, ihre eigene Karriere voranzubringen, und ihnen Tipps fürs Vorwärtskommen geben.
Denn auch wenn es überall eine Herausforderung ist, Karriere zu machen, so sind die Rahmenbedingungen für Frauen in anderen Ländern oft ganz andere als in Deutschland.
Nicht selten sind sie sogar besser. Auch Kristin Theis hat diese Erfahrung während ihrer Zeit im Ausland gemacht, als sie im Bereich der Steuerberatung für eine international agierende Beratungsfirma tätig war. „In Singapur ist man einen Schritt weiter, was die Gleichstellung angeht. Das hängt mit der starken chinesischen Prägung zusammen.
In Norwegen habe ich erlebt, dass schwangeren Frauen vor der Elternzeit die Kanzlei-Partnerschaft angeboten wurde.
So wurde signalisiert, dass sie Sicherheit haben, dass man ihnen die Karriere zutraut und dass der Arbeitgeber Unterstützung gibt“, erzählt sie. Wer sich die Geschichten aus dem Netzwerk der Spitzenfrauen BW durchliest, bekommt den Eindruck, dass es für Frauen in anderen Ländern häufig einfacher ist, beruflich voranzukommen, als in Deutschland.
Noch immer scheint hierzulande die „gläserne Decke“ den Aufstieg hochqualifizierter Frauen in Führungsebenen – insbesondere in die der obersten Führungsgremien – zu unterbinden. Das deckt sich auch mit aktuellen Studienergebnissen.
So lag in der Untersuchung der gemeinnützigen Allbright-Stiftung aus dem Herbst 2021 der Frauenanteil in den Vorständen der 160 deutschen Börsenunternehmen bei 13,4 Prozent.
Von 113 neu berufenen Vorstandsmitgliedern waren 32 Frauen. Das sind zwar fast doppelt so viele Frauen wie im Vorjahr, im internationalen Vergleich hinkt Deutschland damit aber immer noch deutlich hinterher – vor allem gegenüber Ländern wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Schweden und Frankreich.
Die Deloitte-Studie „Women in the Boardroom“ von 2022 zeichnet dagegen ein etwas positiveres Bild: Im internationalen Vergleich zur Geschlechtervielfalt in den Führungsetagen in 72 Ländern liegt Deutschland mit einem Frauenanteil von 28,9 Prozent auf Rang 12, also weit über dem Mittelmaß.
Betrachtet man jedoch nur die EU-Länder, ist Deutschland auch in dieser Untersuchung gerade mal Durchschnitt.
Auch wenn sich in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter in der Wirtschaft inzwischen einiges zum Positiven verändert hat, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass überall auf der Welt Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert sind.
Eine, die aktiv etwas dagegen unternimmt, ist Tijen Onaran. Mit Global Digital Women (GDW) hat sie ein internationales Netzwerk von Gestalterinnen der Digitalbranche gegründet und setzt sich für die Sichtbarkeit von Frauen und mehr Diversität in der Wirtschaft ein.
„Es braucht Vorreiter*innen in allen Bereichen, die andere dazu motivieren, selbst an sich zu glauben und für sich selbst und andere einzustehen“, sagt die Unternehmerin, Investorin und Autorin. „Durch Netzwerke gelingt der Austausch auf Augenhöhe, das gegenseitige Ermutigen und das Zugehörig-Fühlen.“
Auf Basis dieses Gedankens führt sie mit ihrer Firma seit 2017 erfolgreich Events durch, bei denen der Community-Gedanke gestärkt wird und Türen durch persönliche Kontakte geöffnet werden.
„Neben Events schaffen wir durch unser Netzwerk aber auch die Möglichkeit für Unternehmen, sich bewusster zu positionieren und damit step by step die Unternehmenskultur zu verändern“, so Onaran. Die Beratung spiele hier eine ebenso große Rolle.
"Durch unser Netzwerk haben wir mitunter unsere Expertise gesammelt und bringen diese in das Management, um langfristig und nachhaltig nicht nur den Unternehmenserfolg durch Diversität zu steigern, sondern vor allem die Wirtschaft vielseitiger zu gestalten, um Chancengleichheit voranzutreiben.“
Ein Ziel, das sich auch ein Frauennetzwerk, das mit über 30.000 Mitgliedern weltweit zu den größten und ältesten internationalen Verbänden berufstätiger Frauen gehört, auf die Fahnen geschrieben hat: die Business and Professional Women, kurz BPW.
In über 100 Ländern eröffnet die Organisation Kontakte zu Frauen in aller Welt und fördert so globales Denken und Handeln im Berufs- und Geschäftsleben.
Die BPW sind auch gesellschaftspolitisch sehr aktiv. Sie setzen sich besonders für mehr Frauen in leitenden Positionen und Lohngleichheit ein. In Deutschland haben sie 2008 den Equal Pay Day initiiert.
Das Ziel ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen. Weibliche Fach- und Führungskräfte, Existenzgründerinnen und Wiedereinsteigerinnen ebenso wie Selbständige, Freiberuflerinnen und Unternehmerinnen unterstützen sich dazu gegenseitig mit Vorträgen, Workshops und Seminaren. Zudem gibt es ein breit gefächertes Mentoring-Angebot.
„Unser Netzwerk bietet die großartige Möglichkeit, dies sowohl auf einer lokalen als auch internationalen Ebene zu tun und damit eine größere Reichweite und Bedeutungskraft zu erreichen“, betont Sophie Rohé von BPW Germany.
Vielen Frauen geht es beim Networking auch darum, die Welt für Mädchen und Frauen generell zu verbessern, wie den über 25.000 Mitgliedern von Zonta International.
Das globale Netzwerk wurde 1919 in Buffalo, New York, gegründet und wurzelt in der amerikanischen Bewegung zur Erstreitung des Frauenwahlrechts.
Die Organisation fördert Frauen durch Stipendien, Auszeichnungen und Mentorings, engagiert sich unter anderem aber auch bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. „Dramatische Herausforderungen von globaler Tragweite fordern uns mehr denn je.
Die Leidtragenden von Krisen, Konflikten und Kriegen, des Klimawandels und der Corona-Pandemie sind in erster Linie Frauen und Mädchen – mit verheerenden Folgen für die Zukunft unserer Gesellschaft, die Entwicklung und den Wohlstand insgesamt“, sagt Doris Brummer, Präsidentin der Union deutscher Zonta Clubs.
Die gemeinsame Lösung dieser Herausforderungen erfordere die gleichberechtigte gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Teilhabe aller Frauen und Mädchen weltweit.
Hier kannst du den Artikel im Verlagsspezial der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lesen.
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